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Elfriede Billmann-Mahecha
Die Interpretation von Kinderzeichnungen
Die Beschäftigung mit Kinderzeichnungen hat in der Entwicklungspsychologie eine lange Tradition. Dabei standen in der Forschung zunächst Fragen nach der zeichnerischen Entwicklung im Vordergrund – Kinderzeichnungen waren und sind hier also selbst Gegenstand der Forschung. In der kinderpsychologischen Praxis hingegen dienten Kinderzeichnungen schon bald als diagnostisches Hilfsmittel zum Verstehen kindlicher Problemlagen und Befindlichkeiten sowie zur Abschätzung des allgemeinen Entwicklungsstandes. Hierfür wurden zum einen zeichnerische Testverfahren entwickelt, zum anderen aber auch freie Kinderzeichnungen meist tiefenpsychologisch interpretiert. In der kindertherapeutischen Praxis wiederum werden Malen und Zeichnen wie andere spielerische Verfahren zur Unterstützung therapeutischer Prozesse eingesetzt. Vor allem die diagnostische Verwendung von Kinderzeichnungen ist in der wissenschaftlichen Entwicklungspsychologie stark umstritten, weil die üblichen Testgütekriterien bei zeichnerischen Verfahren sehr zu wünschen übrig lassen und Interpretationen freier Kinderzeichnungen oft ausgesprochen spekulativ erscheinen.
Dennoch sind Kinderzeichnungen wichtige entwicklungs-, kinder- und kulturpsychologische Dokumente, die auch jenseits von Fragen nach der zeichnerischen Entwicklung von wissenschaftlichem Interesse sind. Im Mittelpunkt dieses Beitrages steht deshalb die Frage, wie Kinderzeichnungen kontextsensitiv und methodisch kontrolliert interpretiert werden können. Nach der Darstellung unabdingbarer Grundlagen, die man benötigt, wenn man sich an die Interpretation von Kinderzeichnungen macht, wird ein Interpretationsmodell vorgestellt, das einerseits praktische Verfahrensvorschläge enthält, andererseits aber auch die Grenzen der Interpretation aufzeigt. Abschließend wird diskutiert, für welche kinder- und entwicklungspsychologische Fragestellungen Kinderzeichnungen als Datenquelle dienen können.
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