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Alexander Kochinka
Tagebuchanalysen
In Tagebüchern, wie sie Menschen unabhängig von wissenschaftlichen Interessen und einer wissenschaftlichen Praxis verfasst haben und verfassen, dokumentiert sich eine Fülle von Entwicklungsprozessen: etwa solche des Denkens und der Veränderung von Werten und Normen, der eigenen Gefühle und des Wissens über sie, des Selbstbildes und der Identität sowie des Wissens über andere, um nur einige zu nennen. Gerade in Phasen schneller Entwicklung wie der Pubertät und Adoleszenz scheint das Bedürfnis nach Selbstvergewisserung durch im weitesten Sinne biographische Notizen zu wachsen und das Tagebuch bzw. die Auseinandersetzung mit solchen Notizen umgekehrt als Instrument der Entwicklung zu fungieren.
Für die Analyse derartiger "alltagsweltlicher Entwicklungprotokolle" bieten sich sog. qualitative Verfahren an. Dies wird einleitend begründet; dann werden einige historische, aber auch neuere Beispiele eines solchen Vorgehens skizziert. Auf der Grundlage des damit zur Verfügung stehenden Materials lassen sich Überlegungen hinsichtlich fruchtbarer (weiterer) Forschungsfelder einer "Tagebuchanalyse" anstellen und soweit im begrenzten Rahmen möglich Reichweite und Grenzen sowie Stärken, aber auch Schwierigkeiten und Probleme einer derartigen Methode behandeln.
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